Willkommen auf unserem Blog Blog

Jägeralltag – Die Blattzeit

Björn Ziplies

Der Jäger ist grün, dick, unfreundlich und schießt alles tot. Ein Märchen oder die Wahrheit über den Jägeralltag? Früh morgens um 4:30 Uhr klingelt mein Wecker, ich schleiche mich leise auf Zehenspitzen aus dem Schlafzimmer, um meine Frau und meinen kleinen Sohn nicht zu wecken. Zu dieser doch eher unüblichen Zeit beginnt mein Morgenansitz.

Katzenwäsche, Kaffee, Rucksack, Fernglas, Büchse geschnappt und ab ins Auto. Das Radio schalte ich aus, die Fenster öffne ich komplett, halte meine Hand aus dem Fenster und genieße die kühle frische Morgenluft im Gesicht. Ich liebe diese Zeit – keine Hektik auf den Straßen, keine Menschen um mich herum, alles schläft noch und ruht vor sich hin.

Am Revier angekommen, schalte ich das Licht am Auto aus und parke weit entfernt von dem Ansitz. Leise öffne und schließe ich die Türen vom Auto, denn fast alles schläft noch im Wald und so soll es auch bleiben.

Das Ziel bestimmt meinen Weg

Die Stimmung ist friedlich in dem ruhigen dichten Wald. Der Morgentau liegt auf dem Gras und den Bäumen, der Wind steht günstig und der Boden ist leicht nass; perfekt um leise laufen zu können. Ich mache jeden Schritt sehr behutsam, um nicht auf ein Gehölz zu trampeln. Das Fernglas hängt um meinen Hals und ich bleibe immer mal wieder hinter einem Baum stehen, um das Umfeld abzuglasen. Alles ist frei, kein Stück Wild gesichtet, das ich vergrämen könnte. Endlich bin ich an meinem Punkt angekommen, ich baume die Leiter hoch und mache es mir in dem Ansitz gemütlich. Die Büchse steht in der Ecke, geladen und gesichert. Ich schaue nach vorne und sehe ein abgedroschenes Weizenfeld, links der Wald und rechts ein Maisfeld, das an das abgedroschene Weizenfeld anschließt.

Die Zeit verstreicht, man hört es mal hier und mal dort knacken. Die kleinen Mauswiesel sind unterwegs, vielleicht auch der Marder oder ein Fuchs!? Das kann man ohne eine Sichtung schlecht sagen. Ich genieße es trotzdem in vollen Zügen. Das Knacken im Wald in der Dunkelheit, wovor viele Menschen Angst haben, macht mir nichts mehr aus. Man lernt die unterschiedlichen Geräusche kennen, welche vom Mensch und welche von den Tieren gemacht werden.

Jägeralltag

Schieße ich oder schieße ich nicht?

In der Ferne sieht man, wie der Himmel hell wird und langsam hört man die ersten Singvögel. Der Wald beginnt zu erwachen und weit entfernt hört man einen Hahn rufen. Vor mir auf dem abgedroschenen Weizenfeld erscheinen die ersten Hasen; herrlich wie sie miteinander spielen und rumtoben. Plötzlich, weiter oben auf dem Weizenacker, erkenne ich mit dem Auge ein Stück Wild. Ich nehme mein Fernglas, um es genauer anzusprechen, es ist weibliches Rehwild. Prima, es ist nämlich „Blattzeit“, dass bedeutet nichts anderes als die Paarungszeit vom Rehwild. Mit viel Glück findet sich auch ein Rehbock ein, um dem weiblichen Reh zu imponieren.

Kurze Zeit später ist es dann so weit und ein Rehbock kommt aus dem Mais; er hat sichtliches Interesse an der Ricke und zieht wie auf Eisenbahnschienen zu besagter Dame hin. Ich schaue ihn mir sehr genau an, prüfe seinen Schritt, seine Art und seinen Körperbau und stelle für mich fest, er ist zu jung und zu stark – es wäre einfach nicht richtig diesen zu erlegen.

Ich beobachte und filme die beiden noch eine Weile mit meinem Smartphone. Meine Güte, ist die Zeit verflogen. Ich warte ab bis sich das Rehwild zurückzieht. Es können schon mal gute 30 bis 45 Minuten vergehen, bis ich leise abbaumen kann.

Ein schöner Heimweg

Auf dem Laufweg angekommen schaue ich mir meine Aufnahme an und erwische mich mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Mir kommt eine Hundehalterin entgegen und fragt mich, ob ich „Waidmannsheil“ hatte. Wahrscheinlich kam ihr der Gedanke, weil ich wohl wie das sprichwörtliche Honigkuchenpferd am Lächeln war. Ich antwortetet ihr „Ja, möchten Sie mal sehen?“ Sie schaut sich zögerlich mein Video an, wohl wissentlich, dass sie ein totes Tier sehen könnte und fragt mich anschließend, welches der beiden Rehe ich denn jetzt getötet habe. Ich antwortete immer noch mit einem Lächeln im Gesicht „Keines von beiden, aber das Video war es doch Wert oder meinen Sie nicht?“ Sie lachte dann ebenfalls, wir verabschiedeten uns und gingen jeder seines Weges weiter.

Staatlich geprüfte Naturschützer

Das „Grüne Abitur“ – also den Jagdschein – habe ich in unserer örtlichen Kreisjägerschaft gemacht. Eines der ersten Dinge, die uns beigebracht wurde, ist, dass Beute machen so oder so definiert werden kann. Die Hege, Pflege und reine Beobachtungszeit nimmt ca. 99% unserer Zeit in Anspruch, die restlichen 1% gelten dann dem Abschuss. Die Nachhaltigkeit im Revier ist die oberste Grundregel, schließlich sind wir Jäger die einzigen staatlich geprüften Naturschützer in Deutschland. Stets nach unserem Jägergelöbnis:

 „Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild, Waidmännisch Jagd wie sich’s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.“

Die Jagd birgt auch Gefahr

Die Jagd, so schön sie auch sein kann mit ihren vielen Impressionen, birgt aber auch eine Menge an Gefahren. Daher sieht das Bundesjagdgesetzt die „Jagdhaftpflicht“ als Pflichtversicherung vor. Es kann im Jagdbetrieb durchaus vorkommen, dass ein Schaden entsteht – sei es durch Jäger oder Jagdhund. Von daher ist eine gute Jagdhaftpflichtversicherung unerlässlich.

3Kommentare

Letzte Beiträge

Wie hat dir dieser Beitrag gefallen?

Bewerte ihn jetzt mit 1-5 Sternen.

Kommentare

  • Edda Antworten

    Hallo, danke für die schöne Schilderung. Um diese Zeit ist die Welt noch in Ordnung 🙂 Was mich schmunzeln lässt sind Begriffe wie „abglasen“ oder „hochbaumen“ 🙂 Finde ich sehr originell 🙂 Ich werde das glaub ich in Zukunft auch in meinen Sprachschatz übernehmen und z.B. von „hochtreppen“, oder „hochleitern“ sprechen. Bestimmt fällt mir noch mehr ein…Danke für diese Inspiration

  • Björn Ziplies Antworten

    Hallo Edda,

    prima, dass dir unser Jagdlatein gefällt. 🙂

    In unserem Jagdlatein gibt es noch viel viel mehr zu entdecken.

    Gerne kannst du hier mal „stöbern“:

    https://www.jagdschulatlas.de/jagdlexikon/abbaumen-1-5.html#5

    Viele Grüße und Horrido
    Björn Ziplies

  • Dirk Röller Antworten

    Sorry, aber bei landauf-landab überhöhten Wildbeständen, verbunden mit Überäsung der Vegetation und Herausselektion seltener Arten finde ich Nachhaltigkeit als Begriff nicht angebracht. Das geht an den Notwendigkeiten total vorbei.

Diskutiere mit!

Bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten beachten wir die Vorschriften der EU-Datenschutz-Grundverordnung. Ausführliche Informationen findest du im Datenschutzbereich unserer Webseite. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Alle Felder mit einem * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.

Hiermit erkläre ich mich mit der Netiquette einverstanden.

Die neue ERGO Kfz-Versicherung

Damit alles wie von selbst läuft und du dich um nichts mehr kümmern musst.

Informiere dich jetzt

Unser ERGO Blog

Wir verstehen Versicherung genauso gut wie alltägliche Themen und geben unsere Tipps und Erfahrungen auf diesem Blog gerne weiter. Mit einem Team aus Mitarbeitern und Bloggern inspirieren wir dich jede Woche aufs Neue!

unsere Autoren

© ERGO Direkt AG – 2019