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Die Sache mit den roten Zahnspangendosen

Kai Bösel

Ich erinnere mich nicht mehr ganz genau, wann die roten Zahnspangendosen in den Siebzigern auf dem Pausenhof meiner Grundschule Einzug hielten. Aber von der Begehrlichkeit lagen sie irgendwo zwischen Monchhichi, der Palomino-Jeans und dem Zauberwürfel. Wer so eine klappernde Box an bunter Kordel um den Hals trug war lässig.

Der medizinische Aspekt war mir damals mit 7 Jahren egal: Ich wollte auch so eine Zahnspange – brauchte sie allerdings nicht. Und, hab’s bis heute ohne flexible oder feste Korrektur ganz gut überstanden und mein Geld lieber für Wurzelbehandlungen und ein Implantat ausgegeben, aber, das ist eine andere Geschichte. Da alle drei Kinder bei uns zuhause viel Erfahrung mit Kieferorthopäden und -chirurgen gesammelt hatten, Tränen, Spucke, Schmerzen und ein Happy End inklusive, habe ich mir den Expertenstatus zu diesem Thema als Vater doch noch angeeignet.

Warum also bekommen – oder wollen – Kinder eine Zahnspange?

Motivation gibt’s in positiv …

Die Bandbreite der „haben wollen“ und „haben müssen“ ist bei Zahnspangen ziemlich groß. Wie bereits erwähnt, war schon die Aussicht auf die rote Dose für viele Grundschulkinder Grund genug, sich täglich so ein Metall-Kunststoff-Teil in den Mund zu klemmen, welches für leichte Sprachschwierigkeiten und erhöhten Speichelfluss sorgte.

Kürzlich habe ich gelesen, dass jedes zweite Kind in der Kindheit eine Zahnspange trägt. Also ist es wohl tatsächlich kein Feature, vor dem aus Respekt ein großer Bogen gemacht wird.

Ein anderer Antrieb ist, dass sich auch viele Stars und Prominente zu ihren Zahnspangen bekennen. Tom Cruise, Miley Cyrus, Emma Watson, Justin Bieber … die Liste der Helden von uns und unseren Kindern ist schier endlos. Sie alle bekennen sich zu ihren „Schneeketten“ und das danach erhoffte, strahlende Lächeln eines frisch renovierten Esszimmers.

… und negativ – leider.

Kinder können wirklich grausam sein. Beim Thema Mobbing werden bevorzugt die Kinder zu Opfern, die aus Sicht der anderen von der Norm abweichen. Das kann die dicke Brille, ein Bauchansatz oder eben auch das Gebiss sein. Unsere heute erwachsene Tochter wurde von Mitschülern als „Pferdefresse“ gehänselt. Das hat ihren Wunsch, ihre Zähne und somit ihr Erscheinungsbild zu korrigieren, sicherlich verstärkt. Daher hier als kleiner Exkurs die Bitte an euch: Bringt Euren Kindern bei, dass alle Menschen gleich sind, unabhängig von Haut und Haar, von Größe, Brille, Zähnen oder was auch immer. Danke!

Auch bezüglich der Zähne gibt es also neben der medizinischen Notwendigkeit etliche soziale Faktoren. Häufigster Grund für die Korrektur ist und bleibt aber nicht ein Wunsch nach verbesserter Ästhetik, sondern der Besuch beim Spezialisten, der aus medizinischen Gründen zum Tragen einer Klammer rät.

Symptome

Kaum ein Mensch hat das perfekte Gebiss, nur bei einem von 20 passt alles wie im Bilderbuch zusammen. Die meisten Menschen haben somit Zahn- oder Kieferfehlstellungen. Gründe dafür sind vielfältig: vom angeborenem Defekt über falsches Schnullern oder Daumenlutschen bis hin zu Krankheiten wie der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder dem Down-Syndrom.

Der Kieferorthopäde sollte aber nur dann aktiv werden, wenn tatsächlich auch Beschwerden auftauchen. Entweder durch zu große Lücken, durch Atem- oder Kaubeschwerden oder auch durch Sprachstörungen. Wenn Kinder hierunter leiden empfiehlt sich der Weg zum Doc.

Fifty Shades of Zahnbehandlung

Es muss gar nicht immer die Zahnspange sein, die ein einschneidendes Erlebnis darstellt. Schon bei unserer damals vierjährigen Tochter musste ein Milchzahn unter Vollnarkose gezogen werden, denn der hatte deutlich längere Wurzeln, als wir bis dahin dachten. Seitdem hat sie einen Abstandshalter eingebaut, damit die Lücke für den nachfolgenden Zahn erhalten bleibt. Alles in allem war das für mich und für sie kein schönes Erlebnis, wenn auch irgendwie nicht unsere Schuld. Trotzdem putzen wir seitdem noch besser mit der Schallzahnbürste und benutzen auch Zwischenraumbürsten.

Die meisten Behandlungen bei Kindern betreffen allerdings Zahnfehlstellungen. Die Bandbreite der Möglichkeiten zur Korrektur ist schier unendlich. Die in meiner Kindheit favorisierte, herausnehmbare Zahnklammer inklusive Aufbewahrungsdose ist auf dem absteigenden Ast. Sie soll eher kleineren Kindern die Nutzung vereinfachen. Aber gerade die tun sich schwer damit, denn die Dosen gehen schnell verloren und die Zahnspangen stören beim Sprechen, weil sie unter dem Gaumen hängen. Da sich mit einer losen Spange nicht alle Korrekturen umsetzen lassen, ist diese Klammer meist nur die Vorstufe zu einer festen Variante.

Bei der festen Version ist es ein bisschen wie bei einem neuen Auto: Für einen Basispreis, den oft die Kasse übernimmt, gibt es ein Standardmodell der Brackets ohne Extras für mehr Komfort, Sicherheit und Style. Und so gibt es erst mit einer Zuzahlung oder einer Zusatzversicherung noch Ausbaustufen durch Retainer, kleinere Keramikbrackets oder auch Speedbrackets. Die Championsleague sind die innenliegenden Lingual-Brackets, die von außen gar nicht sichtbar sind und auf keinen Fall von der Kasse übernommen werden. Da die Klammer meist nur einmal getragen wird und ein schönes Lächeln ein Leben lang hält, sollte hier nicht am falschen Ende gespart, sondern alle Optionen geprüft und kalkuliert werden.

Tipps

Ein paar Empfehlungen kann ich aus eigener Erfahrung auf jeden Fall weitergeben:

  • Sollte sich abzeichnen, dass die Zahnstellungen korrigiert werden sollen, dann macht die Behandlung im Kinder- oder Teenageralter am meisten Sinn. Mit zunehmendem Alter wird die Behandlung schwieriger.
  • Bringt euren Kindern frühzeitig das richtige Putzen bei, gern auch unterstützt mit einer elektrischen oder einer Schallzahnbürste.
  • Trotz elektronischer Helfer sollten Kinder das „Von-Hand-Putzen“ nicht verlernen. Sinnvoll ist daher, z. B. morgens und nach den Mahlzeiten von Hand und vor dem Schlafen elektrisch zu putzen.
  • Eltern sollten nachputzen, falls es noch nicht ordentlich sauber ist. Das geht am besten im Schneidersitz auf dem Boden mit dem Kopf des Kindes auf dem Schoß. Das ist eine entspannte Position und sorgt für eine gute Übersicht.
  • Macht eure Kinder rechtzeitig mit Zahnseide und Zwischenraumbürsten vertraut.
  • Besucht regelmäßig einen Zahnarzt, nicht nur bei Problemen.
  • Nehmt es ernst, auch wenn die Optik für eure Kinder der ausschlaggebende Grund für den Wunsch nach Veränderung ist. Und fragt am besten nach, was genau euer Kind stört.

Wenn dann schließlich eine Korrektur ansteht, lasst euch von einem guten Kieferorthopäden beraten. Der Prozess ist aufreibend und auch schmerzhaft. Aber bei uns sind sich beide Kinder heute im Erwachsenenalter sicher, dass sich der Aufwand gelohnt hat und die Zahnklammer die richtige Entscheidung war.

 

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