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New Work, new Balance: Veränderungen in der Arbeitswelt

Kai Bösel

Die aktuelle Corona-Krise hat für sehr viele Menschen massive berufliche Veränderungen mit sich gebracht und die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Damit sind nicht nur Unternehmer aus der Gastronomie-Szene oder dem Event-Bereich gemeint. Ebenso wurden viele Angestellte in die Kurzarbeit geschickt, befristete Verträge oder Probezeiten nicht verlängert oder Entlassungen ausgesprochen.

Aber beginnen wir von vorn:

Was sind eigentlich meine Rechte in der aktuellen Situation?

  • Arbeitnehmer können nicht selbst entscheiden, mobil von zu Hause aus zu arbeiten, falls keine betrieblichen oder arbeitsvertraglichen Regelungen bestehen. Dazu ist eine Absprache mit dem Arbeitgeber erforderlich.
  • Falls Arbeitnehmer unter Quarantäne stehen, muss ihnen der Arbeitgeber das Gehalt weiterzahlen. Die Zahlungen erhält er vom Gesundheitsamt zurück.
  • Kurzarbeitergeld muss der Arbeitgeber bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Die Voraussetzungen dafür wurden aufgrund der Corona-Pandemie erleichtert.
  • Bis zum 31. Dezember erhöht sich das Kurzarbeitergeld, wenn die Kurzarbeit länger als drei Monate dauert. Ab dem 4. Monat steigt es auf 70 %, ab dem 7. Monat auf 80 %.

Viele Menschen stehen nun vor der Herausforderung, schnell wieder in die Arbeitswelt zurückzufinden. Für Fachkräfte aus dem Handwerk oder der IT sollte das kein Problem sein, denn die sind nach wie vor rar und somit heiß begehrt. Hier ist der „war for talents“ um passende Kandidaten immer noch am Toben. In anderen Branchen dreht sich die Situation aber wieder in Richtung eines Arbeitgebermarktes. Somit wandert der Vorteil in Richtung der Unternehmen. Die Angebote in der Industrie, im Medienbereich oder der Agenturszene sind knapper und die Firmen haben wieder die Wahl aus einem größeren Kandidatenpool.

Heute gibt es von mir ein paar Infos zur aktuellen Arbeitssituation und wie es mit dem Traumjob in der heutigen Arbeitswelt vielleicht doch klappt. Denn bei allen Diskussionen um New Work und die digitale Transformation: Arbeit bleibt Arbeit.

Hier sind meine 8 Punkte zur neuen Arbeitswelt:

1) Die Geschichte von Topf und Deckel

Es heißt ja, dass sich Paare, die zusammengehören, irgendwann auch finden werden. Beim Traumjob passiert das aber nicht von allein. Wenn du der Deckel bist, dann gibt es tausende an Töpfen, die du nicht alle auf die Passform prüfen kannst. Daher solltest du eingrenzen, was für dich überhaupt in Frage kommt. Die Optionen in der neuen Arbeistwelt sind allerdings, nicht zuletzt durch die Digitalisierung, deutlich gestiegen. Weißt du, was ein UX Designer den ganzen Tag tut? Wie ein Data Scientist sein Geld verdient und warum die Unternehmen einen Performance Marketing Manager engagieren? Den zu dir passenden Job findest du nur dann, wenn du deine Fähigkeiten kennst und darüber hinaus auch weißt, welche Jobangebote dazu passen. Eine umfangreiche Recherche im Netz, Gespräche mit Menschen, die potenziell passende Jobtitel in ihrer Vita haben und wenn möglich sogar ein Praktikum können helfen, um mehr über aktuelle Jobprofile zu erfahren und mit den eigenen Wünschen abzugleichen.

 2) Lass dich nicht von Bewertungen beeinflussen

Wenn wir einen Urlaub planen, dann lesen wir Hotelbewertungen auf den einschlägigen Bewertungsportalen wie Holidaycheck und Tripadvisor, denn wir wollen in der schönsten Zeit des Jahres ungern Überraschungen erleben. Zwar sind die Urteile mit Vorsicht zu genießen, aber durch die Menge der Kommentare gibt es meist ein recht klares Bild über die Leistung vor Ort.

Warum allerdings auch Bewertungsportale für Unternehmen geschaffen wurden, ist mir ein Rätsel. Sie sind vielmehr ein Sammelplatz frustrierter Menschen, als eine ehrliche Beschreibung der Arbeitgeberleistung. Denn sind wir mal ehrlich: Welcher zufriedene Mitarbeiter schreibt von allein einen „Testbericht“ zu seinem Unternehmen? Wahrscheinlich kaum jemand. Oder werden die Mitarbeiter von der Geschäftsführung dazu aufgefordert? Wer nutzt also die Chance, virtuell nachzutreten? Der Kandidat, der nach einem Bewerbungsgespräch eine Absage erhalten hat. Oder ein Mitarbeiter, der vielleicht mangels guter Leistung nach der Probezeit nicht übernommen wurde.

Und wozu führt das?

Potenzielle Kandidaten entdecken diese Beiträge bei ihrer Recherche, nehmen alles für bare Münze und bewerben sich im schlimmsten Fall gar nicht erst. Obwohl sie vielleicht ein „perfect match“ wären.

Daher der Tipp: Lest meinetwegen die Bewertungen, macht euch aber unbedingt ein eigenes Bild, wenn es die Möglichkeiten für ein erstes Gespräch oder Kontakt zu aktiven Mitarbeitern der entsprechenden Firma gibt.

 3) Augen auf bei der Wahl der Netzwerke

Hand aufs Herz: Auf welchen sozialen Netzwerken treibt ihr euch am meisten rum? Seid ihr unter 20? Dann lautet die Antwort wahrscheinlich TikTok. Seid ihr 20 bis 40? Dann tippe ich auf Instagram. Und alle darüber halten die Facebook-Fahne hoch. Grundsätzlich können alle diese Plattformen auch Inspiration für die Jobsuche liefern. Noch mehr Impulse gibt es aber auf Business-Netzwerken wie XING und LinkedIn. Also konzentriert euch insbesondere in der Phase der Jobsuche auf die Netzwerke, die euch voranbringen und inspirieren. Vernetzt euch mit Leuten, die euch durch ihre Beiträge helfen. Oder folgt spannenden Unternehmen, die auch immer mal Positionen direkt auf den Netzwerken ausschreiben. So habt ihr schon den ersten Fuß in die Arbeitswelt gesetzt.

 4) Hebe dich ab in der Arbeitswelt

Ein Personaler liest jeden Tag etliche Lebensläufe. Früher konnte man immer noch mit der äußeren Form und einer schönen Mappe Punkte sammeln, aber heute werden die meisten CVs als PDF eingereicht. Umso wichtiger sind auch hier der optische Eindruck und ein ansprechendes Foto. Die bisherigen beruflichen Stationen gehören absteigend chronologisch aufgeführt, die Ausbildung kommt ans Ende.

Vorbei ist außerdem die Zeit aalglatter und lückenloser Lebensläufe. Heute darf es etwas bunter sein und auch für einen sechsmonatigen Auslandsaufenthalt muss man sich nicht mehr erklären. Im Gegenteil.

Es ist aber immer noch dringend zu empfehlen, sich durch einzelne Aspekte abzuheben Ein Ehrenamt, besondere Fähigkeiten oder Fortbildungen sind immer noch wertvoll, um sich von anderen Bewerbern zu unterscheiden. Daher macht es Sinn, Teile der Freizeit in eben diese Tätigkeiten zu investieren. Und mehrere Sprachen zu können hat auch noch niemandem geschadet. Seitdem auch immer häufiger motivierte Quereinsteiger gesucht werden, muss ein Lebenslauf in erster Linie Interesse wecken.

 5) Selbstbewusstsein? Gern, aber in Maßen …

Früher waren die Bewerber in Vorstellungsgesprächen fast unterwürfig und wurden zum Teil durch Assessment Center oder Stressinterviews ziemlich gefordert. Heute sind die Bewerbungsgespräche oft auf Augenhöhe und freundschaftlich. Trotzdem solltet ihr gut vorbereitet reingehen, denn meist gibt es nur den einen Schuss aufs Tor. Ihr solltet also euren Preis kennen und begründen, solltet erklären können, wie ihr das Unternehmen weiterbringen könnt und solltet auch die Chance nutzen, durch Fragen ein präzises Bild der Position zeichnen zu können. Denn es muss für beide Seiten passen.

Vergesst nicht, dass bei der Work-Life-Balance die Arbeit immer noch zuerst genannt ist und versaut es euch nicht gleich durch Fragen nach Sabbatical, Teilzeit oder mangelnder Bereitschaft zu Überstunden. Das lässt sich alles noch klären, wenn die Arbeit aufgenommen wurde.

Erlaubt sind natürlich Fragen zur Arbeitsplatzsituation, Führungsstruktur und Entwicklungsmöglichkeiten. In erster Linie wollt ihr ja einen positiven Eindruck hinterlassen und Interesse an euch wecken, als gleich euren Forderungskatalog durchzudrücken.

6) Selbst und ständig?

Manche Menschen stellen zu Beginn oder im Laufe der Karriere fest, dass sie als Angestellter in einem Unternehmen nicht richtig aufgehoben sind. Die Antriebe sind vielfältig. Entweder haben sie beim Duschen eine bombige Geschäftsidee, die sie auch nach dreimaligem Drüber-Schlafen immer noch umsetzen möchten. Oder sie empfinden das Angestellten-Dasein als Korsett, welches sie in ihrem Drang nach Selbstverwirklichung zu sehr einschränkt. Oder sie haben in einem Bereich so wertvolles Expertenwissen, dass sie es über Tageshonorare als Freelancer zu einem so satten monatlichen Salär bringen können, wie es über ein Gehalt niemals möglich wäre …

Was auch immer der Antrieb ist, die Selbstständigkeit ist ein sehr reizvolles Modell, welches ich selbst auch nicht mehr missen möchte. Man muss nur damit klarkommen, dass eben nicht am Monatsende automatisch ein Gehalt überwiesen wird. Das braucht ein dickes Fell und eine gewisse Flexibilität, gerade mit der Verpflichtung durch eine Familie. Das Sprichwort mit „selbst & ständig“ stimmt auf jeden Fall. Aber die Freiheit, auch im Kopf, ist es wert, darüber nachzudenken.

 7) Sei flexibel

Die digitale Transformation betrifft unser Arbeitsleben in allen Bereichen: Die Führung der Mitarbeiter verändert sich ebenso wie die nötigen Skills und die Tools, mit denen gearbeitet wird. Und auch die Arbeitsplätze werden an die neuen Bedingungen angepasst. Das gläserne Eckbüro ist kein Status-Symbol mehr. Kürzlich war zu lesen, dass Twitter seinen Mitarbeitern auch nach der Krise einen Arbeitsplatz im Homeoffice ermöglichen wird. Das hört sich aus Sicht der Mitarbeiter alles wahnsinnig spannend an. Allerdings gibt es als Folge der technischen Möglichkeiten auch die ständige Erreichbarkeit. Manchmal wird daher erwartet, dass die Kollegen auch um 22 Uhr oder am Wochenende umgehend auf eine Mail reagieren.

Ein Rezept dagegen gibt es nicht, aber wie immer hilft auch hier die Kommunikation. Sicherlich brauchen Arbeitgeber bei immer längerer Leine auch eine Möglichkeit, Arbeitsleistung zu tracken oder zu bewerten. Auf der anderen Seite muss der Mitarbeiter irgendwann auch Feierabend haben.

Should I stay or should I go

… ist nicht nur ein lässiger Song, sondern auch ein passendes Motto für die Arbeitswelt. Denn wenn du feststellst, dass dein aktueller Job dich nicht glücklich macht, dann solltest du weiterziehen oder zumindest die Fühler ausstrecken. Gründe für die Unzufriedenheit können mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten, ein cholerischer Vorgesetzter oder auch eine unfaire Bezahlung sein. Da wir uns den Großteil des Tages mit Arbeit beschäftigen, sollte es sich gut anfühlen. Scheut euch daher nicht, weiterzusuchen, wenn ihr noch nicht da angekommen seid, wo ihr hinmöchtet.

Eine Frage stellt sich am Ende aber trotzdem noch: Laut einer Studie hat sich gut die Hälfte aller Mitarbeiter schon mal am Arbeitsplatz verliebt. Und sicherlich sind daraus auch sehr viele glückliche Beziehungen entstanden. Wie sich das wohl entwickeln wird, wenn die Kollegen immer seltener physisch auf die Kolleginnen treffen. Wir werden es verfolgen. Und wünschen euch, dass ihr den für euch perfekten Job findet und die Arbeitswelt viele spannende Chancen für euch bereithält.

Tipp für ERGO Rechtsschutz Kunden

ERGO Rechtsschutz Kunden können sich zu Fragen rund um die Corona-Epidemie unter der Telefonnummer 0711 / 66965-02 kostenfrei anwaltlich beraten lassen.

Der ERGO Rechtsschutz Leistungsservice steht Ihnen für Rechtsschutzanfragen gern zur Verfügung. Bitte senden Sie diese per E-Mail an rs-schaden@ergo.de.

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